ohne Internet, aber mit Hängematten

20Jul09

Es war eigentlich ein ganz normaler Samstagnachmittag. Ich habe verschlafen und nach meinem standardisierten Frühstück von einer Zigarette und einem viel zu starken Kaffee packte ich princess und meine Platte. Ich ging in den Maschinenraum, diesmal aber nur um Cat-5 Kabel abzuholen und mich Richtung Kiosk zu begeben. Mit Mate hatte ich mich bereits zu hause eingedeckt. Ja fast wie sonst auch, aber es sollte doch irgendwie alles ganz anderes werden.

Ich war immer noch fast eine Stunde pünktlicher als der Rest als ich am Kiosk ankam und mir ein Kaffee hingestellt wurde. Dazu rauchte ich die bereits fünfte Zigarette auf nüchternen Magen. Er wird sich sicherlich eines Tages dafür bedanken.

Es war immer noch wie sonst auch.

Ich verkabelte princess mit meinem Datenarchiv und setzte das Netzwerk auf, und das Datenpicknick begann. Man traf sich diesen Samstagnachmittag zum Datentauschen. Ja ich weiß, es ist ein immer noch so gewöhnlicher Samstag. Doch der Rahmes war diesmal ein sehr idyllisch gestalteter Fleck in Weimar mit Menschen auch zum anfassen.

Damit das Datenpicknick nicht nur aus Daten bestand wurde auch gekocht und man machte es sich gemütlich und sah (eigentlich wie sonst auch) den Fortschrittsbalken beim wachsen zu. Da so etwas für viele Menschen aber auf Dauer keinen hohen Mehrwert an Informationen bedeutet vertrieb man sich die Zeit mit Gesprächen, Roulette spielen und Tanzen, bis spät in die Nacht hinein. Brasilianische Mash-Ups wurden zur späteren Stunden von minimalistischeren Klängen abgelöst und die Blicke der vorbei gehenden Passenten immer verwunderlicher. In Scheinwerferlicht der an der Ampelkreuzung warteten Autos getaucht tanzte und feierte man gemeinsam den Tag.

Der Rahmen dafür war eine Installation im öffentlichen Raum (oder eine öffentliche Rauminstallation), namentlich KoCA Inn, in der bereits seit einer Woche eine Hand voll kreativer Menschen wohnt und lebt. Dort entstand ein Lebens(frei)raum. Man lebte sich und seine Stadt, seine Arbeit und sein Leben. Umhüllt von ansonsten spießigen DDR-Möbel und zeitgenössischer Kunst zeigte man mehr oder weniger künstlerisch seine Vorstellung vom Leben.

Natürlich war es Kunst, doch die Menschen hier gingen so verspielt, ja fast schon infantil, damit um, dass es für viele den Eintrug erweckt hat, es sei nur Kunst und nicht eine aktiv gelebte Utopie von einem ganz gewöhnlichen und doch so perfekten Samstag Nachmittag, weil sie es nicht verstehen können dass so etwas mitten in Weimar möglich ist.

Irritiert über diesen Fakt gingen viele vorbei und doch verschlug es einige wenige Interessierte zu uns um dieses Erlebnis zu teilen und vergasen in ihrer Spontanität ihren akribisch verplanten Tag.



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